Teil 3: Warum mein zweites Buch ausgerechnet ein Schreibratgeber sein wollte

Schreibratgeber: Abenteuer Sachbuch schreiben - Schritt für Schritt zum eigenen Sachbuch
Abenteuer Sachbuch schreiben - Schritt für Schritt zum eigenen Sachbuch

Ein Rückblick: Zwischen «Ich geb auf» & «irgendwie muss das doch...«

Haufenweise Schreibratgeber las ich, aber selbst einen zu verfassen, auf die Idee wäre ich nie gekommen. Wahrscheinlicher war, dass ich überhaupt kein Buch mehr schreiben würde, nachdem mein Erstlingswerk mich seit Monaten plagte.

Immer mehr kam ich zu der Überzeugung, dass Talent eine größere Rolle spielte, als die Profis mir vorgaukelten.  Wochenlang schmollte ich und schaute meine fabrizierten Texte nicht mehr an. Es musste doch eine Lösung geben, die mir verriet, wie ich dieses verflixte Buch - nur dieses eine Buch - anzupacken hatte?!

Ich wollte doch nur ein »How to...« für mein erstes Buch

 Sollten die Schreibratgeber recht haben und Schreiben zu 90% aus Handwerk bestehen, musste es auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung geben, der ich einfach nur  zu folgen brauchte - á la »Stecken Sie Teil A in Teil B».

Natürlich habe ich eine solche Betriebsanleitung nirgends gefunden, dafür aber etliche Tipps, die für mein Buchprojekt relevant waren. Nur eben wild verstreut und nicht in Form eines chronologischen Leitfadens.

Gut, dachte ich mir, dann schneidere ich mir den halt selbst.

 

Ab sofort lag also meine Priorität nicht mehr auf dem Schreiben, sondern im Recherchieren und Erstellen einer individuellen Bauanleitung für mein Buchprojekt - von der Idee bis zum fertigen Buch.  

Endlich mit Plan

Ich klaubte mir aus Schreibratgebern und dem Netz Infos zusammen, die mir relevant erschienen und hatte zahlreiche Aha-Momente. Kein Wunder, dass ich mit meinem Buch nicht vorwärts gekommen war, so wirr wie ich daran arbeitete.

Zwar hatte ich schon einige Texte für den Inhalt verfasst, aber eine genaue Vorstellung, wie mein Buch über Farben aufgebaut sein sollte, hatte ich nicht.

 

Erst mal musste ich mir einen Überblick verschaffen, welche Themen das Buch überhaupt behandeln sollte.

Also war Punkt 1 meines Leitfadens: Erstelle eine Mind Map. Und so sah sie aus:

Mind Map zu Menschens Farben - Geschichte, Bedeutung und Wirkung von Farben
Mind Map zu Menschens Farben - Geschichte, Bedeutung & Wirkung von Farben

Ran an die Recherche

Endlich war mir klar, wohin mein Buch mit mir wollte und was ich zu recherchieren hatte. Oh, und was ich nicht alles herausfand - was für ein aufregendes Thema! Ich glaube, ich zog mir ein halbes Jahr lang Infos aus dem Netz, druckte sie aus, heftete sie sorgfältig in Ordnern ab - und schrieb keinen einzigen Satz.

Ich wusste jetzt zwar massig zum Thema, hängte aber immer noch fest. Und was macht man, wenn man nicht weiter weiß? Googeln. Wann hatte man genug recherchiert?  Hörte man mit Recherchieren erst auf, wenn man restlos alle Punkte der Mind Map abgearbeitet hatte? Wie sollte ich jetzt den ganzen Wust an Papier und Infos in Buchform bringen?

Also ergänzte ich meine Schreibanleitung um Punkt 2: Infos zur Recherche und wie man mit ihr umging.

 

Gelernt hatte ich, dass ich gar nicht alles zum Thema recherchieren kann, weil sich erst nach und nach herauskristallisiert, was alles im Buch Platz findet. 

Learning by Doing

Endlich durfte ich mit Schreiben loslegen. Nebenbei holte ich mir Tipps und Infos, erfuhr von Rohfassungen und dass sie immer Mist waren, von dynamischen Gliederungen, weil ein Buch sich im Schreibprozess erst entwickelt und ich stieß auf zahlreiche Motivationstipps, die ich zur Genüge testete und ich las vom Überarbeiten und wie man dabei vorging.

Ich machte mir Stichpunkte und notierte Dinge, die mir wichtig erschienen, um endlich mein Buch gebacken zu bekommen. Immer, wenn ich beim Schreiben nicht weiter wusste, holte ich mir Infos zu meinem speziellen Problem und ergänzte den Zettel, der nach und nach zu meinem persönlichen Leitfaden heranwuchs.

 

Wie sich zeigte, hatte ich mir den Schreibprozess schwerer gestaltet, als er hätte sein müssen, hatte Texte geschrieben und daran gefeilt, die gar nicht ins Buch passten, Zeit mit unnützer Recherche über Themen verplempert, die für mein Farbenbuch gar nicht relevant waren. Planlos eben.

Ungefähr bei der Hälfte von »Menschens Farben«, war mein Leitfaden fertig.  Ich brachte ihn am PC in Form, hängte ihn mir am Schreibtisch vor die Nase und arbeitete ab sofort mit meiner selbst erstellten Schritt für Schritt-Anleitung an meinem Buch. Endlich ging es voran und nach über zwei Jahren wurde mein Buch doch noch fertig!  

Der Schreibratgeber drängt sich mir auf

Nachdem ich »Menschens Farben - Geschichte, Bedeutung und Wirkung von Farben« veröffentlicht hatte, es mich nicht über Nacht zum Schotter führte, obwohl ich Schweiß und Tränen investiert hatte, war das Thema »Ich schreibe jetzt Bücher« vom Tisch. 

Ich räumte meinen Schreibtisch auf, heftete den Leitfaden in einen Ordner und sinnierte darüber, wie gut er mir geholfen hatte. Tja, vom Sinnieren zu »Hey, wieso machst du kein Buch daraus? Wenn er dir geholfen hat, dann anderen, verzweifelten Schreibern vielleicht auch?«, war es nur ein winziger Gedankensprung.

 

Also hab ich den Leitfaden wieder zurück auf den Schreibtisch gelegt und angefangen, einen Schreibratgeber daraus zu basteln, während ich ihn gleichzeitig zum zweiten Mal auf Praxistauglichkeit testete. Er funktionierte und lässt sich sogar für alle Genres nutzen, wie ich inzwischen festgestellt hab.

Was ich beim Veröffentlichen diesmal anders machte

Nachdem »Abenteuer Sachbuch schreiben«  fertig war, schrieb ich meine Coverdesignerin an. Leider war sie über Monate ausgebucht. Ich durchforstete das Netz nach Alternativen. Beinahe wäre ich auch noch einem Betrüger aufgesessen, aber darauf will ich nicht näher eingehen. Seid in jedem Fall vorsichtig und lasst Euch nicht von irgendwelchen Siegeln blenden, sucht nach Hintergrundinfos zur Person und seht Euch die Bücher genau an, mit denen die Designer:innen werben.

 

Außerdem waren da auch noch die Preise: 300 Euro hatte ich für mein erstes Buch ausgegeben, aber 500-800 Euro für ein maßgeschneidertes Cover? Irgendwann, wenn Leser sich um meine Bücher reißen, gerne…

Ich hab dann nach Premade-Covern geschaut, die unter 100 Euro zu haben sind. Das sind bereits erstellte Cover, in die nur noch der Titel und Autorenname eingefügt werden muss. Es waren wunderschöne und starke Cover dabei, nur leider keines für mein Genre. Also sah ich mich auf Seiten um, die Stockfotos anboten; die konnte ich mir wenigstens leisten. Ich beschloss, mich ums Cover selbst zu kümmern und stolperte über den Cover Creator von amazon. Ich spielte mit dem kostenlosen Tool, das wirklich easy zu bedienen war, und kaufte mir über adobe.stock eine Lizenz für mein Wunschbild.

 

Inzwischen hatte ich mir auch einen Leitfaden fürs Veröffentlichen zusammengeschustert, der das Procedere der Veröffentlichung erheblich beschleunigte. Und so brachte ich - erneut in Eigenregie - mein zweites Buch »Abenteuer Sachbuch schreiben - Schritt für Schritt zum eigenen Sachbuch«  als E-Book und Taschenbuch heraus. Diesmal hyperventilierte ich auch nur ein paar Stunden, keine zwei Wochen mehr.

 

Jetzt mögen einige den Kopf schütteln, weil alle Ratgeber fürs Selfpublishing propagieren, ein Designercover sei Pflicht, das Geld müsse einem das eigene Buch wert sein und überhaupt verkauft sich nur ein Buch mit Proficover...

Nach meinem Erstling mit teurem Designercover hätte ich auch jedem dazu geraten, einen Profi zu engagieren, aber davon bin ich abgekommen. Erstens wollte ich nicht Monate mit der Veröffentlichung warten und zweitens fehlten mir diesmal die finanziellen Mittel, das Buch in Markenklamotten zu stecken.

 

Rein rechnerisch betrachtet fahre ich besser. Das Cover kostete mich lediglich 50 Euro, statt über 300 Euro und die Zeit, die ich aufbringen musste, um mich mit dem Covertool und meinem Bildbearbeitungsprogramm auseinanderzusetzen, brachte ich gerne auf.  Die 50 Euro hatten sich nach 30 Buchverkäufen selbst finanziert, aber 150 Bücher und mehr an den Mann zu bringen, um die Coverkosten reinzuholen, das kann locker ein Jahr und länger dauern – außer man ist ein mutiger Marketingfuchs, der ich leider nicht bin. Aber ich lerne ja noch immer dazu und wer weiß, was das nächste Buch mir für Erkenntnisse beschert. 

   

Im vierten Teil der Reihe berichte ich Euch, welche Erfahrungen ich mit meinem ersten Roman mache und wie ein Spaßprojekt ihm den Rang abläuft. 


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