Teil 4: Mein erster Roman entsteht - unberechenbares Autorenleben

Angestachelt

Für mich ist ein Roman die Königsdisziplin des Schreibens.  Figuren erfinden, mit denen Leser:innen gern abhängen, eine Handlung ausdenken, die spannend, unterhaltsam und vor allem schlüssig ist  - und das auch noch an Schauplätzen, die man möglichst mit Worten malt. 

Hätte ich nicht ein Buch gelesen, das mir erst richtig gut gefiel, aber im Verlauf immer fader, vorhersehbarer und oberflächlicher wurde, hätte ich mich nie an meinen eigenen Roman gewagt.

Ich ertappte mich bei Überlegungen, warum diese Story nicht funktionierte und wie ich das wohl lösen würde, wäre ich Autorin dieses Buches. Nachdem ich mir über ein fremdes Buch intensiv Gedanken gemacht hatte, wollte ich das nun auch mit einer eigenen Geschichte tun. Natürlich schwebte mir schon seit über 4 Jahren eine vor, aber jetzt erst war die Zeit reif, sie aus dem Kopf aufs Papier zu entlassen.  

Schreiben ist kein einsamer Job

Während der Recherche zu »Wie schreibe ich einen Roman?«, stieß ich auf die Schreibnacht; ein Forum für Schreibwütige. Bis dato schrieb ich immer allein. Niemand in meinem Umfeld teilte meine Leidenschaft oder verstand, was das Schreiben und Ausdenken von Charakteren und Handlungen mit einem macht - aber im Forum wussten sie es. Dort fand ich nicht nur Gleichgesinnte, sondern auch Schreib- und Linktipps. Außerdem organisierten sie Spiele, die darauf abzielten, Texte wachsen zu lassen.

 

Zugegeben, anfangs schüttelte ich den Kopf über Schreibabenteuer  und Word Wars, aber ich hab alles ausprobiert und der Effekt war erstaunlich. Es ist unglaublich motivierend, mit anderen zu schreiben, sich auszutauschen und gegeneinander anzutreten. Es geht nicht ums Gewinnen, wer die schönsten Sätze oder die meisten Wörter fabriziert; es geht einfach darum, dass jeder an seinem Projekt werkelt- nur eben nicht mehr allein. In dem Forum lernte ich auch meine Schreibkumpeline kennen. Seither tauschen wir uns fast täglich aus oder schreiben gemeinsam. Ich kann die Schreibnacht nur empfehlen, ohne das Forum wäre mein Projekt sicher nicht vorangekommen. 

10 Monate Schreibwahnsinn

Zehn Monate tippte ich an meinem Roman, interviewte meine Charaktere, bastelte eine Handlung und gurkte virtuell durch Städte, was das Zeug hielt. Ich nahm an Schreibnächten teil, bestritt Schreibabenteuer, fightete in Word Wars und nahm an Workshops teil. Was mich zusätzlich motivierte, war, dass meine Schwester die Hälfte meines Buches gelesen hatte und Spaß dabei hatte. Einige Parts langweilten sie zwar und sie tat auch ihren Unmut kund über einen Charakter, der völlig daneben ging, aber an sich mochte sie die Geschichte. 159.374 Wörter später hatte ich die Rohfassung meines Romans vor mir liegen.

 

Was für ein Gefühl, die Rohfassung geschafft zu haben!  

Ich würde lügen, würde ich behaupten: Das, was ich geschrieben habe, ist ein lesbares Buch. 

Die Rohfassung war ja nur der erste Schritt auf dem schweißtreibenden Weg zum eigenen Roman.

Nach den vielen Monaten und Wörtern brauchte ich aber erst mal Abstand von meinem Buch.

Ich verordnete mir eine 6-wöchige Schreibpause, um den Kopf frei zu bekommen und den Blick auf das Geschriebene zu klären. Oh, freute ich mich auf die neu gewonnene Freizeit und darauf, den Kopf eine Zeitlang nicht mehr anstrengen zu müssen.

Das Autorenleben: unberechenbar

Statt der geplanten 6 Wochen, hält mein erster Roman nun seit fast einem halben Jahr ein Nickerchen. Nicht, dass es mich nicht jucken würde, ihn zu lesen oder weil es mir genügen würde, die Rohfassung geschaffen zu haben. Auch nicht, weil mir die Lust am Schreiben vergangen wäre - im Gegenteil!

Mir kam mein zweiter Roman in die Quere, gut getarnt als »Spaßprojekt«...

Nächste Woche erfahrt Ihr, wie »Midna und Schlawiner - Das Zombiefeld« sich vordrängelte und welche Herausforderungen diesmal auf mich warteten.


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